Felix Stockert

Apfel, glücklicher Apfel

Ein Apfel fiel herab und fühlte sich ganz aufgelöst. Was war geschehen? War er nicht eben noch Teil einer großartigen Sache gewesen? Nun lag er alleine im Gras und sah sich schon verfaulen.

Abgefallen bin ich, vom Baum der Erkenntnis! Beklagenswerter Apfel, nun lieg ich hier allein, nun fühl ich mich ganz klein.

Die Krähe kam und stach nach dem Apfel. Lieber Apfel, danke für dein leckeres Fleisch.

Krähe friss mich ruhig, mein Leben ist nun ohnehin verwirkt, da ich vom Baume der Erkenntnis fiel! Einen Sinn in meinem Leiden kann ich nicht erkennen, drum mach es schnell und friss mich ganz!

Dicke Krähen fliegen schlecht, also fress ich dich nicht ganz! Aber sei doch froh, ich hol das beste aus dir heraus.

Die Krähe pickte nach den Apfelsamen in seinem Innern. Einer davon fiel herunter und wurde von der Krähe übersäen.

Beklagenswerter Samen, nun lieg ich hier allein, nun fühl ich mich ganz klein. Was ist geschehen? War ich nicht eben noch Teil einer großartigen Sache?

Der Apfel aber rief ihm zu, er solle sich nicht fürchten. Dummer Samen, sei doch froh! Einst mag ein Baum aus dir erwachsen. Hättest schwerlich Sonnenlicht bekommen, wenn du auf ewig in meinem Bauch gewohnt hättest. Aber der Samen hörte ihn nicht, wie der Apfel nicht den Baum hörte.

Ob Baum, Apfel, Samen oder gar Krähe. Keins ist geringer als das andere. Alles lebt und lebt von- und miteinander. Sieh den Samen und bewundere ihn. Strebe nicht nach Vollendung. Du bist längst und immer vollendet. Wiederholen will ich diese Worte gerne bis ans Ende meiner Tage, auch wenn wir gerne die Worte der anderen ignorieren. Es macht Spaß, selbst nach ihnen zu suchen. Es gehört zum Spiel. Es gehört zum Apfel sein. Apfel, glücklicher Apfel.