Felix Stockert

Dekret

Es sprach ein Vater einst zu seinem Sohne:
Bleib ja im Haus, egal was kommt!
Denn draußen lauern die Gefahren
setz‘ einen Fuß hinaus und prompt
überfallen sie dich in Scharen!

Diebe, Gauner, Lumpenpack
egal, wie du’s auch nennst.
Sie alle packen dich am Sack,
egal, wie viel du flennst!

Drum schließ die Tür, schließ sie ganz fest,
und mach niemandem auf.
Wenn doch so wartet nur die Pest,
in Menschenform da drauß!

Der Vater sprach, der Vater ging,
das ängstlich Büblein blieb zurück,
allein, und sein Gedankensinn,
zernagt ihn Stück für Stück.

Was wenn trotz Türes Schutz,
ein Gauner seinen Weg sich bahne?
Welch Waffe nütze ihm zum Trutz?
Vorm Kamin, vielleicht, der Holzschürharken?

Zögerlich tritt er heran,
an des Flamme heißen Herd,
greift zu und zieht, woraufhin dann
ein Funkenschlag sein Herz erschwert!

Geh aus, du Funke, Feuer, lisch!
Verruchte Flamme, ich verfluche dich!
Welch Torheit zwang mich in diese Not?
Das Haus, gleich brennt es lichterloh!
Von draußen scheint der Mond herein,
belacht des Knaben elend‘ Pein!
Er rennt zur Tür, er muss hinaus!
Hält inne aber …
… schwankend …
… wankend …
… wartend …
… sitzend …
entsinnt des Vaters bannend Wort:
Egal was kommt, bleib ja im Haus!

Der Knabe war der frommste Bub,
der je gehaust auf Erden.
Die sturre Treue ließ ihn nun
zum Aschehäuflein werden.