Du bist mein Eigentum.
Mein Ein und Alles, weil
Alles an dir gehört mir.
Meins, meins ganz allein.
Du bist mein Eigentum, vollumfänglich.
Ich entscheide über sämtliche Aspekte
deines Lebens.
Denn du bist ein Leben.
Einjedes Kind würde es sogleich erkennen,
würde es in deine Augen blicken.
Deine lebhaften Augen,
die sich weiten, sich winden
sich verkrampfen
einen stillen Schrei verkünden
Es sind die Augen eines jungen Lebens
aber
deine Augen sind egal.
Weil sie mir egal sind
und weil du mir gehörst,
mir allein
entscheide ich darüber.
Und ich habe entschieden,
dass deine Augen egal sind
weil dein Leben egal ist.
Bedeutungslos.
Mittel zum Zweck.
Den Zweck bestimme ich allein,
alleiniger Zweck deiner Existenz ist es
mir zu dienen mich zu befriedigen
meine Gelüste zu stillen.
Du bist mein. Mein Eigentum,
mein allein.
Ich bin dein Gott DER HERR
der dich erschaffen hat
der über sämtliche Aspekte deiner Existenz bestimmt
über dein Werden, Sein und Vergehen bestimme ich
denn du bist mein.
Geworden bist du aus meinem Willen allein
gezeugt aus einem hastig hineingestülpten Samen
deine Mutter längst tot,
dein Vater längst tot,
deine Geschwister mein sie sind ebenfalls mein.
Kaum warst du geboren
habe ich dich deiner Mutter entrissen
sie hätte geschrien vor Leiden vor Kummer
hätte ein Kreislauf des Raubens sie nicht längst
an die Schmerzen gewöhnt
Still und besiegt hat sie zugeschaut
wie ich dich fortnahm
wie ich dich schlug
wie ich dich einsperrte
wie ich dich mit Ketten band
Jetzt bist du reif,
jetzt bist du endlich reif,
du mein Eigentum.
und ich spanne deinen zitternden Körper
in ein bereitgestelltes Gestell
es hat schon viele Körper gehalten
deiner ist nichts besonderes.
Dein Körper kennt keinen Namen,
kennt nur eine Nummer,
dein Körper die Nummer 659.
Ich breite deine Beine aus und
bestreiche deine Öffnung mit einem kalten Gel
und dringe endlich ein.
Es bereitet mir keine Freude,
keine Erregung.
Es ist ein mechanischer Vorgang
aber doch
ist da ein Gefühl der Macht,
ich kann es nicht verleugnen,
ein Gefühl der Überlegenheit.
Ich dringe in dich ein und verteile meinen Samen
auf dass er Gottes Werk verrichtet
– seid fruchtbar und mehret euch –
Denn auch dieser Teil von dir ist mein,
ist mein, mein, ganz allein
mein Eigentum.
Deine Fortpflanzungsorgane gehören mir
mir allein.
Sie sind ein Werkzeug.
sind mein Werkzeug.
Und mein Wille wirkt durch dich
und zeugt mein Werk.
Mein Werk sind deine Kinder
die Kraft sämtlicher Gesetze
meine Kinder sind
auch sie sind mein Eigentum.
An Söhnen ist mir nichts gelegen
sie sind nicht geschaffen für mein Werk
sie sind ein Fehler der Natur
ein Fehler, der ausgemerzt wird
mit einer Schrotflinte in meinem Hinterhof
ein Fehler, der vergessen wird
in einem Müllcontainer in meinem Hinterhof.
Deine Töchter jedoch nehme ich freudig entgegen
ein Geschenk von mir an mich selbst
und auch sie werden eingespannt in diesen Kreislauf
aus Besitz und Ausbeutung.
Du darfst dieses Spiel noch ein paar Mal spielen
solange wie du meinen Zwecken dienst
sobald du aber nicht mehr kannst
wirst du aus dieser Gleichung rausgenommen.
Entfernt. Getilgt. Getötet.
Deine Augen dabei sind mir immer noch egal.
Ich habe vollumfänglich über dich bestimmt
von deiner Geburt bis zu deinem Ende habe ich
sämtliche Aspekte deines einzigartigen Lebens ausradiert
und mit einem Barcode überdruckt.
Aber bevor ich dich töte will ich,
aus einer Regung meines höhnichen Herzens heraus,
dich aufklären darüber,
welchen Zweck dein alltägliches Leid erfüllt hat.
Welchem hehren Zweck hat dein Leid gedient
fragst du mich mit glasigen Augen
in der Hoffnung, einen Beitrag geleistet zu haben
zu irgendeiner größeren Sache
um dein Leid ein bisschen, ein bisschen nur
zu lindern.
Müller Milch
der Joghurt mit der Ecke Knusperspaß
Wagner Pizza Original Steinofen Speciale
Soße auf dem Döner, der halbgefressen heut Nacht im Jungbusch vergammelt.
Du siehst, du bist mir egal
du bist allen anderen egal
die Welt behandelt dich mit kalter Verachtung
nein – nein, es ist keine Verachtung, nicht einmal das
es ist schlimmer noch: Gleichgültigkeit
Keinen. Interessiert. Dein. Leid.
Du warst mein Eigentum.
Jetzt bist du Abfall.
Dein Leben …
zu Ende.